Agerer Rudolf (* 01.02.1925, + 28.01.2010)

Agerer Rudolf wuchs als Kind in einer kleinen Landwirtschaft (2 Kühe, 2 Schweine, Hühner) auf. Bereits mit 17 Jahren wurde er während des 2. Weltkrieges zum Militär einberufen. Wir Kinder kennen noch seine Erzählungen von den Kämpfen rund um Monte Cassino an denen er teilnahm, ebenso gibt es eine Geschichte, bei der er als Nichtschwimmer an einen Baumstamm geklammert den Po überquert und überlebt hat.

Als Weltkriegsteilnehmer war sein Leben geprägt; als Heimkehrer beschloss er mit Kollegen auf der Hohen Munde ein Gipfelkreuz zu errichten.

Um seine Familie (eine Tochter und drei Söhne) ernähren zu können arbeitete er bei der Post und betrieb die kleine Landwirtschaft noch einige Jahre nebenbei. Durch seine Dienstzeiten als Briefträger half er bei sehr vielen Kollegen am Nachmittag oder in seiner Freizeit beim Hausbau.

Seine Arbeit als Briefträger war mehr als ein 'Job' für ihn. In seinem Zustellbezirk Hanffeld, Moritzenstraße, Weissenbachgasse war er beliebt und wegen seiner stets guten Laune (meist fröhlich ein Liedchen pfeifend) von Haus zu Haus willkommen.
Viele erkannten schon am Ton seines Mopeds (mit dem er viele Erlebnisse bei Wind, Wetter und Hundehaushalten zu bestehen hatte), dass er nicht mehr weit entfernt ist.
Nicht nur am 1. des Monats wenn die Renten auszubezahlen waren, nahm er sich Zeit für einen Plausch oder erledigte kleine Dienstgänge für seine Kunden. Auch im ehemaligen '55er Haus' ging er aus und ein - ohne Angst zu haben, dass ihm einer der 'Laninger' an die oft mit großen Geldbeträgen gefüllte Posttasche greift. Im Gegenteil, er wurde - wenn er die Sozialhilfe oder das Kindergeld brachte - sofort auf einen zufällig in den letzten Tagen zubereiteten 'Hundsbraten' oder gar frischen Fleischkas vom 'Haas' eingeladen.

Viele Jahre war Rudl Mitglied bei der Feuerwehr Telfs, Jahrzehnte auch im Ausschuss und als  Schriftführer (ohne Maschinschreibkenntnisse). Als Rentner war er jahrelang mit dem Farbkübel im gesamten Ortsgebiet unterwegs und befreite die Hydranten vom Rost und strich sie gewissenhaft.

Wenig Zeit blieb ihm für Hobbies, aber für einen 'Watter' oder 'Jasser' war er immer zu haben. 
Bis kurz vor seinem Tod war er ein - zwar wenig erfolgreicher - aber umso leidenschaftlicher Kartenspieler.

Bis zur ersten Kirchenrenovierung trug er die Gemeindefahne bei den Prozessionen, ebenso übernahm er als Pensionist einige Jahre im Auftrag der Gemeinde das 'Wegmachen' am Schotterweg Richtung Strassberg.

Als Krippenvereinsmitglied und selbst Besitzer von Weihnachtskrippen kann man Rudolf als überzeugten, gläubigen Christen bezeichnen; über Jahrzehnte betreute er die Laurentiuskapelle (das sog. 'Bötlerkapelle') oberhalb vom Wendelinus.

Er verstarb während der Fasnachtszeit, die nur alle fünf Jahre in Telfs stattfindet. Zehnmal ging er als Sonnenträger seit 1950 durchs Dorf; viele werden im Jahre 2010 an ihn gedacht haben.

Entsprechend seinem Wunsch wurde anlässlich seiner Beerdigung 'Grosser Gott wir loben dich' als Abschiedslied in der Kirche gesungen.

(Text: Agerer Hubert - Fotos: privat)